Bald heißt die Leihbibliothek Readfy

Weiß das Friedrich Forssman? Ein ¾tausend von diesen „analphabetischen Digitalhipstern mit ADHS im Vollbild“ haben über 220.000 Euro in ein Startup investiert, das mit den beiden Hauptproblemen von E-Books Schluss machen will: Hohe Preise und nerviges DRM. Vermutlich wird er vor lauter Aversion gar nicht verstehen, was Sache ist.

Es geht um folgendes: Wer ein Buch lesen will, muss es nicht unbedingt besitzen. Das ist das ziemlich alte Prinzip Leihbibliothek, bekannt seit der Antike. In Zukunft könnte es ganz schlicht readfy heißen. Denn wie eine digitalisierte Leihbibliothek funktioniert die App des Düsseldorfer Startups, das in „Digital Heartland“ bereits vorgestellt wurde.

Natürlich kann man auch jetzt schon E-Books leihen. Doch das ist ein ziemlich absurder Prozess: E-Book bezahlen, herunterladen, von DRM -System überwachen lassen, zwischendurch mal lesen, nach Ablauf der Leihfrist vom DRM-System löschen lassen. Und wer nach dem Ende der Leihfrist etwas nachlesen will, muss es erneut ausleihen – und bezahlen.

Muss das sein? Bisher ja, denn den Verlagen ist nichts besseres eingefallen. Die Macher von readfy dagegen hatten eine andere Idee: Man könnte ja Bücher einfach aus der Cloud streamen, so dass gar keine lokale Kopie entsteht und sämtliche Probleme mit dem vermaledeiten Digital Rights Management elegant umschifft werden.

Doch das ist noch nicht alles: Das Ausleihen und Lesen soll kostenlos sein. Zumindest für diejenigen, die nichts dagegen haben, die Lektüre durch Werbeeinblendungen unterbrechen zu lassen. Für alle anderen soll es in Zukunft Premiumangebote geben, die gegen (relativ) kleines Geld das ungehemmte Lesen von so vielen Büchern wie möglich erlauben.

Dieses Konzept hat also mehr als 750 Leute überzeugt, auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto in das Unternehmen und die Idee zu investieren. Bereits nach gut einer Woche war die Schallgrenze von 200.000 Euro geknackt. Ein großer Erfolg, denn normalerweise stehen E-Books bei Investoren nicht gerade auf Platz 1 der Wunschinvestments.

Auch wenn eine Prognose in der ultradynamischen Digitalwirtschaft ein ziemliches Risiko ist: Ein Angebot von E-Books für kleines Geld und ohne DRM-Unsinn ist genau das, was der extrem unterentwickelte Digitalbuchmarkt in Deutschland braucht. (Und ausnahmsweise ist nicht Amazon auf die Idee gekommen).

Bildquelle: Olga Meier-Sander / pixelio.de

Readfy may be the long awaited Amazon killer – when it comes to e-books. It’s streaming concept mimics Spotify but readfy pours out digitized books for free. The idea convinced over 750 investors and achieved a Series B funding of more than 220,000 euros at the crowd investing platform Companisto. A great success for the founders of the Düsseldorf based startup.

 

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