Cloud Computing: „Bleibe im Lande, nähre dich redlich“

Die Skeptiker des Cloud Computings dürfen sich bestätigt fühlen: Die Public Cloud ist unsicher und sehr anfällig für Wirtschaftsspionage. Diese Erkenntnis aus den zahlreichen aufgedeckten Überwachungsprogrammen diverser Geheimdienste hat allerdings in der Wirtschaft noch keinen deutlich wahrnehmbaren Gegentrend ausgelöst.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Techconsult zeigt, dass die Unternehmen eher besonnen reagieren: 61 Prozent der befragten Cloud-Anwender wollen keine Konsequenzen ziehen. Auch eine Expertenumfrage der Kommunikationsagentur Dr. Haffa & Partner legt nahe: Die Überwachungsprogramme werden den Cloud-Einsatz in Deutschland kaum einschränken.

Das Ergebnis: Nur sieben Prozent der Befragten gehen von einem Ende der Cloud im Business-Bereich aus. Etwa die Hälfte der IT-Experten vermutet, dass sich an der Nutzung der Cloud nichts ändern wird. Ein Teilnehmer erklärt: „Aber man wird bewusster mit den Daten umgehen, die man in die Cloud stellt. Und Verschlüsselung wird endlich den Stellenwert erhalten, den sie eigentlich haben sollte.“

Wer kann, verlässt die US-Cloud

Ein deutlicher Trend ist also eine besonnene, überlegte Reaktion auf die Ereignisse. Einen zweiten Trend beginnen gerade die US-Cloudservices zu spüren: Wer kann, verlässt die US-Cloud. Nach einer Umfrage der ”Cloud Security Alliance (CSA)” ist das Cloud-Geschäft in den USA bereits deutlich eingebrochen: Etwa zehn Prozent der Nicht-US-Kunden der CSA-Mitglieder haben ihre Verträge gekündigt.

Ähnliche Ergebnisse ergab eine Studie der “Information Technology and Innovation Foundation (ITIF)”: Der Rückgang der Auslandsumsätze beläuft sich im Moment auf etwa 22 bis 35 Milliarden US-Dollar. Viele US-Unternehmen geben an, das gut zehn Prozent der Nicht-US-Kunden bereits Aufträge storniert und mehr als die Hälfte die entsprechenden Projekte jetzt erst einmal pausieren lassen.

Doch wo landen die Umsätze? Häufig in der Heimat der jeweiligen Unternehmen, den Cloudservices sind im Trend. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es ebenso wie in den anderen Bundesländern enorm viele Unternehmen, die Cloud-Dienste vor allem für mittelständische Unternehmen anbieten. Vieles spricht dafür, für Cloud Computing ganz speziell den Standort Deutschland zu wählen.

Thomas Wittbecker, Geschäftsführer des Essener Cloud-Anbieters Adacor fasst die Lage so zusammen: „Bei einem deutschen Cloud-Anbieter, der sein Rechenzentrum in Deutschland unter deutschen Datenschutzgesetzen betreibt und mit dem eine Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung abgeschlossen wurde, ist davon auszugehen, dass die Daten nur von deutschen Sicherheitsbehörden nach richterlicher Anordnung eingesehen werden können.“

Cloud mit integrierter Verschlüsselung

Das ist jedoch noch nicht alles. „Denn wenn Systeme unverschlüsselt über das Internet mit anderen Systemen oder Usern kommunizieren, lässt sich diese Kommunikation mitschneiden und auswerten“, betont Wittbecker. „Verhindern ließe sich dies nur mit einer Verschlüsselung der Kommunikation.“ Dies lässt sich prinzipiell in jede Cloud-Lösung integrieren.

Es gibt inzwischen spezialisierte Lösungen vor allem für kleinere Unternehmen, die eine integrierte Verschlüsselung anbieten – zum Beispiel das cloudbasierte und kollaborative Dokumentenmanagement mit CenterDevice, dem Produkt des gleichnamigen Bonner Unternehmens. Laut eigener Auskunft werden die Daten in einem zertifizierten deutschen Hochsicherheits-Rechenzentrum gespeichert und die Datenübertragung erfolgt stets verschlüsselt.

Eine vergleichbare Lösung für den Austausch von Dokumenten bietet auch der Hildener IT-Dienstleister Compass mit seinem Produkt Squareshare. Auch hier wird verschlüsselt übertragen und gespeichert. Ganz auf Unternehmenssoftware spezialisiert ist der Bonner Anbieter ScopeVisio, der seinen mittelständischen Kunden ein Gesamtpaket mit CRM, ERP, FiBU und weiteren Modulen anbietet.

In eine andere Richtung geht die „Mittelstands-Cloud“ des Paderborner Systemhaus Janz-iT. Sie bietet branchenunabhängige Dienste wie Cloud-Speicher, E-Mail- und Archivlösungen sowie virtuelle Desktops. Außerdem können die Anwender eigene branchen- oder unternehmensspezifischen Anwendungen betreiben. Ein ähnliches Produktspektrum mit virtuellen Desktops und Speicher bieten auch die beiden Kölner IT-Dienstleister wie Pironet NDH oder die QSC AG.

Bereits diese wenigen Beispiele zeigen: Die inländische Cloud kann problemlos mithalten, eine Auslagerung von Daten und Anwendungen in die USA ist nicht nötig. Auch wenn Sicherheitsbrüche nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, so dürfte das Abgreifen der Daten nicht ganz so einfach sein.

Bildquelle: Zoschke / pixelio.de

Customers from Germany are a nightmare for US cloud providers: Extreme skeptics when it comes to privacy and now canceling their accounts in troops, just like other europeans. Recent research from the ”Cloud Security Alliance (CSA)” and “Information Technology and Innovation Foundation (ITIF)” shows, that almost ten percent of the customers withdraw from their contracts. The best remedy is to become a german enterprise: principal office, exclusive jurisdiction, and data centers on german property as well as contracts according to german law. And no rerouting data away from the European Union. It’s a classical lesson: When in Germany, do as the Germans do.

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