Geht nur dank IT: Stichprobe statt Zählmarathon

inform-infografik-inventur„Heute geschlossen. Wir machen Inventur.“ Am Jahresende hängen an manchen Geschäften noch heute solche Schilder und erinnern die überraschten Kunden an den früher allgemein üblichen Zählmarathon. Im 21. Jahrhundert ist das nicht mehr zeitgemäß, es gibt andere Möglichkeiten – zum Beispiel die Stichprobeninventur mit dem Computer.

Dabei wird wie bei einer Wahlumfrage keine vollständige Datenerfassung gemacht. Die Lageristen zählen lediglich eine statistisch repräsentative Stichprobe der Produkte, so dass aus den erhobenen Daten sinnvoll auf die gesamte Lagermenge geschlossen werden kann. Das Verfahren ist vor allem bei größeren Unternehmen beliebt und ein Kind der frühen Computerära – als IT noch EDV (Elektronische Datenverarbeitung) hieß.

Denn nur der Computer kann die Genauigkeit einer Stichprobeninventur garantieren. Die statistischen Verfahren sind nur von schnell und präzise arbeitenden Programmen beherrschbar. In Deutschland setzte Siemens das Verfahren um 1970 erstmals ein, für eigene Zwecke und sicher auch als geschicktes Marketing für die hauseigenen Mainframes. Doch erst 1977 wurde es gesetzlich erlaubt. Sofort entstand ein Softwaremarkt, den Unternehmen wie die 1969 gegründete Inform GmbH für sich nutzten.

Tafel mit HerzenDer Aachener Hersteller ist Spezialist für computerisiertes Operations Research, also der Anwendung von statistisch-mathematischen Verfahren zur Unterstützung von Entscheidungen. Ein typisches Beispiel ist die Optimierung von Auslieferungsfahrten (Traveling Salesman Problem). Solche Aufgaben erfordern hohe Rechenkapazitäten und gehen immer mehr in „Big Data“ über – die Auswertung von Massendaten für die optimale Planung (Siehe Interview mit Ludger Schuh).

Die Stichprobeninventur ist für das Unternehmen nur ein kleines Betätigungsfeld, doch die Entwicklung der entsprechenden Software erfordert umfassende Kenntnisse in Statistik und ihrer Umsetzung in Algorithmen. Das war Ende der 1970er vorhanden und so baute die Inform GmbH eine neue Dienstleistung auf: Die Berechnung der Stichprobendaten anhand eines zugeschickten Datenträgers.

Das war zu dieser Zeit relativ problemlos möglich, denn es gab damals die praktischen Bandlaufwerke, auf die eine seinerzeit enorme Datenmenge von 100 Megabyte gespeichert werden konnte. Vor Ort beim Kunden wurden die Bänder mit dem damals schon üblichen Großrechner befüllt. Die Daten entstammten meistens sehr, sehr langen Strichlisten und wurden in den Computer getippt, manchmal sogar in ein Terminal direkt im Großlager.

So sah „Software as a Service“ um 1980 aus. Heute funktioniert das prinzipiell ähnlich: Der Kunde gibt die Daten ein, schickt sie an das Rechenzentrum mit der Inform-Software und dieses schickt die Ergebnisse wieder zurück. Der Unterschied: Die Software sitzt in der Cloud, die Dateneingabe geschieht häufig mit einem Barcodescanner und die Ergebnisse sind bereits nach ein paar Minuten beim Anwender.

Das alles ist kein großes IT-Drama, sondern eher ein kleines, abgezirkeltes Nebengebiet der Wirtschaftsinformatik. Doch es zeigt deutlich die Entwicklung der Informationstechnologie. Ein wichtiges Merkmal ist das Wegfallen von Medienbrüchen. Heute werden keine Strichlisten abgetippt. Heute wird ein Barcode oder ein Chip gescannt und die Daten landen sofort in der Software.

Bald muss niemand mehr den Scanner ausrichten, denn Smart Products mit Netzanschluss melden sich von selbst bei der Inventursoftware. Dann wird die klassische Inventur obsolet: Der Computer weiß ohnehin jederzeit, wo sich welches Produkt befindet. Denn das Zählen des Warenbestands ist letztlich nur eine Kontrolle der Mitarbeiter, die auf dem Weg einer Ware vom Einkauf zum Endkunden Fehler machen können.

Bildquelle: INFORM,  © Vielfalt21 – Fotolia.com, © Stauke – Fotolia.com

The Inform GmbH is a specialist in operations research, but is also active in a particular area: The inventory sampling, a specialty of German law. Here, an inventory will be carried out on the basis of randomly selected subsets of the stock.

Kommentar posten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.