Machen! Neue Aufgaben für Bibliotheken

makerbot-replicator2-1

Im letzten Herbst ist eines der Spielzeuge meines vierjährigen Sohnes kaputtgegangen. Ein blauer und roter Plastikhelikopter mit einem Rotor, der sich drehen kann. Ein Bausatz für Kleinkinder, aus großen, etwas plump wirkenden Teilen, von großen gelben Plastikschrauben zusammengehalten. Ein passender Plastikschraubenzieher gehörte dazu. Mein Sohn liebte es, das etwas pummelig wirkende Ding zu zerlegen und wieder zusammenzubauen, zu zerlegen und wieder zusammenzubauen und wieder zu zerlegen.

Eine einzige Schraube ist durch kräftiges Drehen zerbrochen. Mein Sohn hat nun nur noch die Wahl, entweder einen unvollständigen oder einen sehr wackeligen Helikopter zu bauen. Ersatzteile gibt es für solche Spielzeuge nicht, ich müsste sie schon selber machen. Aber das geht leider nicht, habe ich ihm erklärt. Seit dem Frühjahr geht es doch. Ein Wunder?

Für meinen Sohn vielleicht. Doch dahinter steckt ganz profane Technologie: Seit kurzem gibt es einigermaßen kostengünstige 3D-Drucker. Das sind mittelgroße, kastenartige, durchsichtige Gebilde, die mit einer Art Düse Plastikstreifen ausspucken, zu dünnen Schichten auswalzen und Ebene für Ebene zu Dingen anhäufen – auch zu drei Zentimeter langen gelben Plastikschrauben mit einem zehn Millimeter starken Außengewinde und einem Rundkopf, der einen geraden Schlitz enthält.

makerbot-replicator2-2Doch wer hat so ein Gerät? Im Rheinland ist die Antwort einfach: Die Kölner Stadtbibliothek. Seit März 2013 arbeitet in der Zentralbibliothek am Neumarkt ein 3D-Drucker, ein „Makerbot Replicator 2“. Es ist eines der ersten heimtauglichen Geräte, die komplett montiert für einen halbwegs akzeptablen Preis (2.200 Dollar) ausgeliefert werden. Doch warum steht er ausgrechnet in einer Bibliothek?

„Die Technik der 3-D Drucker ist meiner Meinung nach gesellschaftlich relevant. Sie kann Menschen unabhängig von den Produktionsstätten machen“, meint Bettina Scheurer von der Stadtbibliothek Köln. Es gehöre auch zur bibliothekarischen Aufgabe der Informationsvermittlung, solche Entwicklungen öffentlich zu machen.

„Die Bibliothek entwickelt sich stetig weiter – mit den Medienformen, mit der Technik und mit dem Zeitgeist“, sagt Bettina Scheurer. Ganz neu im Gebäude ist der Makerspace, ein Ort des Machens rund um die Digitalkultur. Hier können die Besucher musizieren, Schallplatten digitalisieren oder Podcasts aufnehmen. Und hier steht der neue 3D-Drucker. „Er ist unsere Chance, den Besuchern einen Einblick in eine Technologie zu ermöglichen, die unser aller Zukunft prägen könnte.“

Die Mitarbeiter der Bibliothek staunen immer wieder über die Anziehungskraft, die der Drucker ausübt. Nicht nur technikaffine Nerds finden den Weg in die vierte Etage des Bibliotheksgebäudes, sondern auch andere Leute unterschiedlichsten Alters und mit unterschiedlichsten Vorkenntnissen. „Besonders spannend sind die Gespräche über die Zukunft dieser Technologie. Viele Besucher beschäftigen sich mit Gedankenspielen, inwieweit 3D-Druck Produktion und Vertriebswege von Gütern in Zukunft verändern könnte“, erzählt Bettina Scheurer.

makerbot-replicator2-3Interessenten haben jeden Samstag die Möglichkeit von 1-15 Uhr eigene kleine 3D-Objekte ausdrucken zu lassen. Der Druck ist übrigens kostenlos. Als Vorlage dient eine Datei im STL-, Object- oder Thing-Format. Erzeugt werden solche Dateien von CAD-Programmen, mit denen die 3D-Modelle gestaltet werden. Neben teuren und professionellen Programmen gibt es auch kostenlose Software, zum Beispiel 123D, SketchUp oder Blender.

Wer selbst kein 3D-Modell erzeugen kann, findet bei Thingiverse kostenlose STL-Dateien für alle möglichen Dinge. In der Online-Community stellen Privatpersonen ihre Modelle zu Verfügung, solange sie als Urheber genannt und die Objekte nicht kommerziell verwendet werden. Wichtig: Die Kölner Bibliothek möchte so vielen Besuchern wie möglich eine Chance geben und bevorzugt daher kleinere Objekte. Sollte ein Modell zu groß oder im Druck zu aufwendig sein, kann es vor Ort verkleinert werden.

Der Grund dafür ist leicht einsichtig: Bei größeren Objekten werkelt der Drucker auch schon mal ein paar Stunden vor sich hin. Einen recht guten Erfahrungsbericht gibt es im Firmenblog der deutschen Niederlassung des O’Reilly-Verlags. Die Mitarbeiter drucken ein alltagstaugliches und nicht besonders einfaches Objekt, einen Halter für Tischtennisbälle. Die Geexperten kommen zu dem Schluss: „Erstaunlich flotte Druckzeit (3,5 Stunden), sehr gutes Ergebnis mit nur leichten Druckfehlern in Form von Materialschlaufen.“ Also, ran an den 3D-Drucker, machen!

3D-Printing is a global trend but most people are not able or don’t want to spend the 2200 Dollars for a typical model like the „Makerbot Replicator 2“.  This is where the Cologne City Library steps in. Says staff member Bettina Scheurer: „Libraries are constantly going further, together with media, technology and the Zeitgeist. We are building up a new part of our library. It will be a true makerspace with the Replicator as a main attraction. Giving all people access to such an outstanding technology is a new but obvious part of information brokerage.“

Kommentar posten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.