Readfys Streaming-Romane

Libreria_Ebook_1Seien wir ehrlich: Der deutsche E-Book-Markt dümpelt erbärmlich vor sich hin. Im Vergleich zum Beispiel zu den USA sind deutsche E-Books zu teuer. Der Preisabstand zum gedruckten Buch ist minimal. Das gilt vor allem angesichts der recht schrillen Lizenzregeln. Das Buch gehört auch nach dem „Kauf“ noch dem Verlag und kann weder verliehen noch weiterverkauft werden. Wer sollte sich so etwas für so viel Geld antun? Es gibt einfach keinen Grund, ein E-Book zu kaufen.

Gut, das ist extrem zugespitzt, aber in der Tendenz kommt es hin. Die entscheidende Frage für Anbieter von Digitalbüchern in Deutschland ist schlicht: Auf welche Weise kann man die Bücher billiger machen und den Markt damit erweitern?

Vor einer ganz ähnlichen Frage stand 1946 der Rowohlt Verlag. Er hatte kein Geld, seine Leser hatten kein Geld, eigentlich hatte niemand Geld. Doch Verlegersohn Heinrich-Maria Ledig-Rowohlt hatte eine Idee. Fünfzig Pfennig wäre wohl ein guter Preis für ein Buch, dachte Rowohlt und begann, Bücher einfach mit der Rotationsmaschine auf billiges Zeitungspapier zu drucken. Zur weiteren Kostensenkung band er gleich noch eine Seite mit Werbung ein. Rowohlts Rotations-Romane waren geboren. Ledig-Rowohlt erfand ein paar Jahre später noch das Taschenbuch und damit den modernen Buchmarkt.

Readfy bietet kostenlose E-Book-Abos an, die mit Werbung finanziert werden. Dabei wollen die readfy-Macher die Lektüre mit Werbung unterbrechen, die über den Buchtext gelegt wird – Videos, Einblendungen oder Banner. Gelesen wird nur via App in der Cloud, es gibt also keine Downloads und keine lokale Speicherung, ganz wie beim Musikstreaming.

Im Moment gibt es nur eine App für Android, iOS soll im Sommer folgen, andere Systeme sowie ein Webreader und Lösungen für E-Reader sind geplant. Später wird auch ein kostenpflichtiger und werbefreier Premiumservice eingeführt. Zusätzlich gibt es Social-Reading-Funktionen wie zum Beispiel Nutzerrezensionen, Kommentare und das Teilen auf Facebook und Twitter.

An der ersten Finanzierungsrunde beteiligten sich der Düsseldorfer Inkubator 1stMover sowie einige Einzelinvestoren an Readfy. Eine zweite Runde steht an und beginnt pünktlich um 12 Uhr am 3. Februar – nämlich beim Crowdinvesting-Portal Companisto. Alle Details stehen entweder dort oder im Branchendienst Buchreport.

Und jetzt werbefinanzierte E-Books, bei Readfy, einem Dienst für das kostenlose Lesen von digitalen Büchern. Dessen Gründer Felix Bauchspieß, Ryan David Mullins und Frank Großklaus hatten eine Idee, die ihnen vermutlich beim Musikhören via Spotify gekommen ist. „Warum nicht einfach E-Books streamen? Und das Ganze mit Werbung finanzieren?“ Spotify ist damit sehr, sehr groß geworden und beeinflusst inzwischen sogar Märkte, denn die Zahl der Musikdownloads sinkt erstmals seit Jahren.

Der Punkt bei Readfy: Die Bücher bleiben in der Cloud und werden tatsächlich nur innerhalb dieser App gelesen. Es handelt sich also um eine Online-Ausleihe. Sie erlaubt eine völlig andere Preispolitik und widerspricht nicht der Buchpreisbindung – meinen die Readfy-Gründer. Gut möglich, dass einige Akteure in Buchmarkt auf die Idee kommen, dies rechtlich überprüfen zu lassen.

Felix Bauchspieß betont in Interviews immer wieder die großen Vorteile von Readfy für die beteiligten Verlage: „Die kostenlose Lektüre senkt die Eintrittsbarriere und schafft ein attraktives legales Angebot, durch das sich Piraterie kaum mehr lohnt.“ Readfy biete Verlagen und Autoren einen alternativen Vertriebsweg, der unter anderem am E-Book-Riesen Amazon vorbeiführe.

Der Vertrieb dürfte das eigentlich Disruptive an Readfy sein. Wer seinen Blick zu sehr auf die Werbefinanzierung richtet, verpasst die Hauptsache. Leider könnte es sein, dass sich die Diskussion in erster Linie darum dreht. So ist es auch den Rowohlts ergangen. Die Kulturkritik fremdelte stark mit den Werbeseiten in Hochliteratur und erwartete mindestens den Untergang des Abendlandes.

Auch damals haben die Kritiker die Hauptsache übersehen: Rowohlt ist mit seinen Rotationsromanen und Taschenbüchern Urheber der enormen Ausweitung des Buchmarkts bis zu seiner heutigen Größe. Die Vielzahl der alljährlich auf den Markt geworfen Werke wäre kaum denkbar ohne den Taschenbuchmarkt. Ganze Genres und Verlage basieren auf der Tatsache, das es kostengünstig herstellbare Ausgaben gibt.

Soweit ist das E-Book noch lange nicht, auch wenn die Self-Publishing-Welle der letzten Jahre schon eine Marktausweitung andeutet. Das „E-Book-Streaming“ mit Readfy kann ein wichtiger Baustein für das Wachstum und den Erfolg des digitalen Buchmarkts sein. Dazu müssen sich natürlich weitere Verlage für diesen neuen Vertriebskanal interessieren. Die bisher etwa fünfzehntausend Bände von teils renommierten Verlagen wie Matthes & Seitz sind aber schon mal ein guter Anfang.

Bild: © massimo_g – Fotolia.com

Readfy does something unexpected: The Düsseldorf-based startup tries to disrupt the dull e-book market in Germany with a streaming like concept. Readfy allows people to read e-books for free. The trick: The readers don’t buy or download the books. They read them in the cloud using the readfy app. And readfy inserts ads into the books to refund its own costs. A payed and ad-free premium service will come later. The readfy team is working hard to convince german publishers to contribute to readfy. They had a Series A round and the App is complete and working with 15.000 e-books in the cloud. Now it’s the time for a Series B round and anyone can contribute: They are searching for investors at the crowdinvesting portal Companisto.

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