Yomo: Kreissparkasse Köln plant Banking-App

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Das Fintech-Startup Number26 hat es vorgemacht: Ein modernes, digitales Girokonto wird mit dem Smartphone geführt und erlaubt blitzschnelle Überweisungen, praktisch mit einem Daumendruck. Die meisten Leute müssen allerdings noch mit einem herkömmlichen Konto zufrieden sein, denn Number26 hat erst ein paar hunderttausend Kunden.

Girokonto bedeutete bisher, Überweisungen in einem altertümlich wirkenden Webformular einzugeben. Dort ist dann die Zahl gewordene Katastrophe des Bankensystems, die IBAN, einzutragen. Sie ist mit einer eigenen ISO-Nummer standardisiert und zeigt mit jeder ihrer 21 Stellen, wie bei den Banken gedacht wird: Vorrang haben die Anforderungen von Prozessen und IT-Systemen.

Die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden sind weniger interessant. Ist eigentlich niemand auf die nahliegende Idee gekommen, dass eine 21-stellige Zahl mit Prüfziffern und Füll-Nullen fast unmöglich zu merken ist und bei der Eingabe häufig zu Fehlern führt? Nicht nur die sprichwörtliche Oma Kasuppke aus Castrop-Rauxel kommt mit der IBAN nicht klar, auch junge Leute sehen den Sinn solcher Umständlichkeiten nicht.

Sie sind es schließlich ganz anders gewohnt, aus diesem Internet. Dort gibt es schon seit längerem Zahlungsanbieter, bei denen ein Geldbetrag einfach an eine E-Mail-Adresse überwiesen werden kann. Und mit dem noch neuen Dienst Snapcash können in Snapchat Geldbeträge verschickt werden – vorerst allerdings nur in den USA.

Gegenangriff der Sparkassen

Angesichts der einfach zu nutzenden Konkurrenz von Fintech-Startups laufen den herkömmlichen Geldinstituten die Kunden davon. Ignorieren lässt sich das Phänomen nicht länger. Die unkomplizierte und flotte Bedienung überzeugt auch Ältere – zumal immer mehr Filialen in Stadt und Land geschlossen werden.

Die traditionell gut ausgebaute Infrastruktur der Geldinstitute dünnt immer mehr aus, so dass sie als Argument für ein Konto an Bedeutung verliert. Und auch der Bankomat als Bargeldquelle ist kein großer Vorteil, denn Number26 hat beispielsweise in Hamburg einen Kooperationsvertrag mit einer Drogeriekette abgeschlossen: Die Kunden des Startups können dort an jeder Kasse via Smartphone Bargeld bekommen, auch ohne etwas einzukaufen.

Wollen die Banken und Sparkassen das Rinnsal der frustriert abwandernden Kunden nicht zu einem reißenden Strom werden lassen, müssen sie schleunigst das grundlegende Fintech-Prinzip übernehmen: Kundenorientierung. Immerhin sind schon einige Sparkassen wie etwa die Kreissparkasse Köln aufgewacht.

Auf dem letzten Sparkassentag hat die Süddeutsche Zeitung erfahren, dass die Kölner und einige andere Großsparkassen an einem Konkurrenten zu Number26 arbeiten. Er soll den Namen Yomo („YOur MOney“) tragen und ein einfaches mobiles Konto anbieten.

Das eigentlich revolutionäre daran: Nach den Erkenntnissen der SZ soll dafür sogar das Regionalprinzip durchbrochen werden, sodass Yomo bundesweit genutzt werden kann – ohne Verweis auf bestimmte Sparkassen und deren Logo. Und hoffentlich auch ohne IBAN-Geraffel.

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